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Crashkurs für die neuen Gemeindevertreter .  


Links die Toguna, der traditionelle Versammlungsort in den Dörfern im Dogonland in dem früher und teilweise bis heute die wichtigen Entscheidungen im Dorf getroffen werden.

Trotz Hitze und Staub herrschte an jenem Sonntag rege Betriebsamkeit in den Schulhöfen des Landes. Im Schatten palaverten kleine Gruppen von Frauen oder Männern in wehenden Boubous, den traditionellen malischen Gewändern. Polizisten saßen eher gelangweilt vor den Eingängen herum und tranken Tee. Rund sieben Millionen Malier waren am 26. April 2009 aufgerufen in 703 Kommunen ihre Gemeindevertreter zu wählen.

In Bandiagara, der Stadt die auch das „Tor zum Dogonland“ genannt wird, ungefähr 9 Stunden Autofahrt von der Hauptstadt Bamako entfernt, wurden mit einer für Mali relativ hohen Wahlbeteiligung von etwa 57 Prozent (im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt von 44,6%) 17 Gemeinderäte inklusive eines neuen Bürgermeisters gewählt. Für 13 der frisch gewählten Gemeindevertreter Bandiagaras ist es die erste Amtszeit.

Das "nötige Gepäck"

Eine einwöchige Schulung Ende Juli diente dazu den neuen Gemeindevertretern, wie der neue Bürgermeister Housseini Saye bei der Begrüßung sagte, „das nötige Gepäck mit auf den Weg zu geben“. Zu Beginn des vom DED gemeinsam mit einem lokalen Beratungsbüro organisierten Seminars wurden die Erwartungen der Teilnehmer an die Fortbildung gesammelt. Wie Khadija Guindo, die zweite Beigeordnete (und damit zweite Stellvertreterin des Bürgermeisters), wünschten sich die meisten eine Klärung der Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb der Gemeindevertretung. Außerdem erhofften sie sich von der Fortbildung, danach ihren Mitbürgern besser erklären zu können, was Dezentralisierung ist und welche Aufgaben die Kommune hat. Zudem wolle man verstehen, worauf es bei der Erstellung des kommunalen Entwicklungsplans für die fünfjährige Amtszeit ankommt.

Für Carole Voogden, die seit Oktober 2008 als Entwicklungshelferin des DED die Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat der Kommune Bandiagara berät, war das Ziel des Seminars neben der Stärkung von Kompetenzen und Kenntnissen der Gemeindevertreter vor allem ein Beitrag zur Teambildung. In einer ersten Übung mussten die Teilnehmer des Seminars die Teile eines Puzzles zusammensetzen. Es stellte sich heraus, dass die Aufgabe ohne die Information, was am Ende dabei herauskommen soll und ohne intensiven Austausch und Koordination, nicht gelöst werden konnte: all dies wichtige Erkenntnisse für eine erfolgreiche Amtszeit der Gemeinderäte.


Arbeitsgruppe zur Verbesserung der externen Kommunikation.

Kommunikation, der Schlüssel für lokale Entwicklung

Für die DED-Fachkraft ist die größte Herausforderung des neuen Gemeinderats, seine Rolle als Koordinator der kommunalen Entwicklung wahrzunehmen. Da die Kommunen selbst nicht die finanziellen und personellen Ressourcen haben, die lokale Wirtschaft anzukurbeln, müssen sie dafür sorgen, dass sich bilaterale Geber, internationale Organisationen und NGOs, die sich in Bandiagara engagieren, an den Prioritäten und Bedürfnissen der Gemeinde orientieren. Der Schlüssel für eine bessere Abstimmung und mehr Kohärenz der Projekte in der Kommune liegt ihrer Meinung nach in der Kommunikation: einem regelmäßigen Austausch aller beteiligten Akteure.

Eine Seminareinheit zum Thema Kommunikation begann mit einem altbekannten Spiel: Stille Post, oder auf Französisch „téléphone arabe“. Von einem dem langen Anfangssatz über eine bestimmte Summe FCFA, die der Kommune für die Realisierung von Verbesserungen der Wasserversorgung bis Ende 2010 zur Verfügung gestellt wird, kam am Ende weder ein Wort noch ein Fitzelchen Inhalt an. Stattdessen war von einem Auto die Rede, dass einen Unfall hatte. Was war passiert? War die Information zu kompliziert? Wie kann man sicherstellen, dass eine Information die Empfänger, seien es nun die anderen Ratsmitglieder oder die Bürger der Kommune, unverfälscht erreicht?

Ausgehend von diesen Fragen bearbeiteten die Gemeinderäte in Gruppen mögliche Schwierigkeiten interner sowie externer Kommunikation und suchten nach Lösungen. Ergebnis der Gruppenarbeit war ein Aktionsplan mit konkreten Schritten, die in den nächsten Monaten umgesetzt werden sollen, etwa die Einführung regelmäßiger, kurzer Info-Treffen im Rathaus, eines Rundbriefs sowie die Organisation von Versammlungen in jedem Viertel zur Information der Bevölkerung.

Unterschiedliche Ansätze des DED Mali im Bereich Kommunalentwicklung

Um Entwicklung auf kommunaler Ebene voranzubringen, arbeitet der DED in Mali mit unterschiedlichen Ansätzen. Abgesehen von der direkten Beratung einer Kommunalverwaltung durch eine Entwicklungshelferin wie in Bandiagara unterstützt der DED privatwirtschaftliche Beratungsstrukturen und leistet mit 6 Entwicklungshelfern und 6 nationalen Fachkräften einen wichtigen Beitrag in einem Kooperationsvorhaben mit der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Programme d’Appui aux Collectivités Territoriales (PACT). Das Programm berät Kommunen in mehreren Regionen Malis und unterstützt Gemeinderäte unter anderem beim Start in die neue Amtszeit aber auch zyklisch z.B. bei der Erstellung eines kommunalen Budgets, beim  Finanzmanagement, bei der Einbeziehung von Organisationen der Zivilgesellschaft in die kommunale Planung oder bei der jährlichen Rechenschaftsablegung. In Koulikoro führt eine vom DED unterstützte nationale Fachkraft bei der Agence pour la Promotion de l’Economie à Koulikoro (APEK) für die dortigen Gemeindevertreter Workshops zur Rollenklärung und zum Teambuilding durch.

Die Fachkräfte die im Bereich Kommunalentwicklung tätig sind, tauschen sich regelmäßig aus und kooperieren wo möglich. Die Fortbildung für Gemeinderäte in Bandiagara ist ein Produkt dieser Zusammenarbeit. Sie entstand in Anlehnung an ein PACT Konzept, welches an die spezifischen Herausforderungen für die Gemeindevertreter in Bandiagara und ihren Kenntnisstand  angepasst wurde.

Das Seminar in Bandiagara bot den Gemeinderäten auch die Möglichkeit, sich gemeinsam mit zentralen Themen der anstehenden Amtszeit wie Stadtentwicklung und der Planung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Kommune auseinanderzusetzen. Vor allem die Klärung der Rollen innerhalb des Gemeinderats und der Gemeindeverwaltung werde die Arbeit in der neuen Legislaturperiode erleichtern, ist sich der Bürgermeister sicher. Für Carole Voogden beginnt jetzt der spannendste Teil der Arbeit: die Begleitung der Umsetzung der während der Fortbildung angestoßenen Prozesse.

Franziska Grimm, seit Februar 2009 Juniorberaterin für Öffentlichkeitsarbeit und Wissensmanagement

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